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Lizenzmodelländerung bei VMware und deren Darstellung in der FlexNet Manager Suite

Zum 2. April 2020 hat VMware sein bisheriges CPU-Lizenzmodell geändert und zieht dadurch mit anderen Herstellern wie z. B. Microsoft mit. Die Änderung betrifft ausschließlich Kunden, die CPUs mit mehr als 32 physischen Cores im Einsatz haben.

Welcher Kundenkreis ist von der Lizenzmodelländerung bei VMware betroffen?

Die Änderung betrifft Lizenzen, die ab dem 2. April 2020 beschafft, sowie bestehende Lizenzen, die auf eine Hauptversion aktualisiert wurden, welche am oder nach dem 2. April 2020 veröffentlicht wurde.

Anhand von Beispielen bedeutet dies Folgendes:

CPUs, CoresAltes LizenzmodellNeues Lizenzmodell
1 CPU, 28 Cores1 Lizenz1 Lizenz
1 CPU, 48 Cores1 Lizenz2 Lizenzen
2 CPUs, 32 Cores2 Lizenzen2 Lizenzen
2 CPUs, 48 Cores2 Lizenzen4 Lizenzen


Hauptsächlich betriff dies aus unserer Sicht Unternehmen, die mehrere Rechenzentren betreiben und selbst als Dienstleister für Kunden fungieren.

Welche Produkte sind betroffen?

Grundsätzlich sind alle VMware-Produkte betroffen, die vor der Änderung per CPU lizenziert wurden. Die am weitesten verbreiteten Produkte sind: vSphere, vSAN und die vRealize Suite.

Wie können berechtigte Kunden zusätzliche Lizenzen beantragen?

Die Beantragung läuft über das My VMware Portal. Hier können Kunden ein Ticket eröffnen, welches folgende Informationen beinhalten sollte:

  • Anzahl Cores pro CPU und Gesamtzahl der CPUs
  • Auflistung der VMware Produkte, für die zusätzliche Lizenzen angefordert werden, sowie die Anzahl der zusätzlich benötigten Lizenzen pro Produkt
  • Server-Kaufbeleg inkl. Anzahl der Prozessoren auf dem Server (Rechnung)
  • Laut VMware wird eine Antwort innerhalb von 15 Tagen gewährleistet sowie der Erhalt der zusätzlichen Lizenzen nach Prüfung und Freigabe des Herstellers

Welche Voraussetzungen liegen der Beantragung zugrunde?

  • Server und VMware-Lizenzen müssen vor dem 30. April 2020, 23:59 Uhr PST U.S. erworben worden sein.
  • Das Ticket auf zusätzliche Lizenzen muss vor dem 29. Januar 2021, 23:59 Uhr PST U.S. eingestellt werden.
  • Ein Nachweis über den Kauf des Servers vor dem 30. April 2020 ist erforderlich.
  • Die betroffenen Lizenzen müssen unter aktivem Support und Subscription stehen.

Sobald eine Verlängerung der bestehenden Supportverträge ansteht, fließen die kostenfreien Lizenzen in die Verträge ein und verursachen zusätzliche Support-Kosten. Grund dafür ist die Erweiterung des Lizenzbestandes.

Steigt durch die Änderung die Audit-Aktivität von VMware?

Unsere SAM Consultants konnten in den letzten Wochen keine erhöhte Auditaktivität vermerken. Betroffenen Kunden empfehlen wir dennoch, einen Compliance-Check der eingesetzten VMware Software durchzuführen, um für ein potenzielles Audit gewappnet zu sein und damit einhergehende hohe Nachzahlungen zu vermeiden.

Des Weiteren besteht durch die Umstellung das Risiko der fehlenden Dokumentation. Wir raten dazu, diese ausführlich z. B. in Ihrem SAM-Tool zu dokumentieren.

Ein erhöhtes Auditierungsrisiko besteht vor allem bei Unternehmen, die selbst als Dienstleister fungieren und mehrere Rechenzentren betreiben. Hier unterstützen Sie unsere SAM Consultants gern in der Betrachtung und weiterführenden Beratung.

Wird es weitere Änderungen seitens VMware geben?

Dies bleibt abzuwarten. Wir vermuten, dass diese Änderung erst der Anfang einer umfangreicheren Umstellung der VMware-Lizenzmodelle ist. In der Vergangenheit haben bereits einige andere Hersteller ihr Lizenzmodell von CPU auf Core umgestellt. Dass VMware hier entsprechend nachzieht, ist wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit. Somit würde auch eine gewisse Vergleichbarkeit zu Mitbewerbern gewährleistet werden.

Wie wirkt sich Multi-Threading auf die Lizenzmodell-Änderung aus?

Multi-Threading wirkt sich nicht auf die Anzahl der Kerne für die Zwecke der VMware-Lizenzierung pro CPU aus. Stattdessen basiert die Kernanzahl ausschließlich auf den physischen Kernen der einzelnen CPUs.

Wie stellt sich die Änderung des Herstellers im SAM-Tool dar?

Beispielhaft wird die Lizenzmodelländerung anhand des SAM-Tools FlexNet Manager Suite des Herstellers Flexera wie folgt dargestellt:

Bisher wurden die VMware-Lizenzen seitens FNMS über den Lizenztypen »Processor« abgebildet, da das bisherige CPU-Modell ein einfaches »1-Prozessor = 1-Lizenz« war. Flexera unterstützt die Lizenzänderungen von VMware insofern, dass diese in den Lizenztypen »Core Points« und das Punkte-Regel-Set »VMware-CPU-Lizenz« geändert werden können.

Beispiel mit SKU-Erkennung durch Flexera

Nachdem der aktualisierte VMware-Inhalt in Ihrer Umgebung verfügbar ist, müssen die empfohlenen Lizenzänderungen akzeptiert werden. Dies erfolgt über die Ansicht License Compliance > Compliance > Recommended LicenseChanges in folgender Reihenfolge:

  • Aktualisierung des Lizenztyp »Processor« zu »Core Points«
  • Aktualisierung des Werts »Points Rule Set« von »Undefined« zu »VMware CPU License«

Beide Vorschläge (Recommendations) müssen manuell in der Ansicht akzeptiert werden.

Objektverbindungen in Flexera

Was sind Point Rules innerhalb der FlexNet Manager Suite?

Einige Hersteller messen den Lizenzbedarf ihrer Produkte anhand sogenannter 'Point Rules'. In einem solchen Fall erwirbt der Lizenznehmer eine bestimmte Anzahl von (Lizenz-)Punkten, welche gemäß den der Lizenz zugrunde liegenden Regeln verbraucht werden.

Beispielsweise könnten Punkte für jeden Prozessor vergeben werden, auf welchem das Softwareprodukt ausgeführt wird. Nach welchen Regeln der Bedarf zu ermitteln ist, sollte in jedem Fall vor dem Lizenzerwerb durch einen verantwortlichen Ansprechpartner beim Lizenznehmer geprüft werden.

Michelle Brecht | Tags: Lizenzmanagement, VMware, Flexera Flexnet Manager, vSphere, Audit, SAM-Tools, Compliance, Multi-Threading, Point Rules